Unser Tag in Prag

Die Pragexkursion ist der gefühlte Projekthöhepunkt. Die tschechische Hauptstadt als touristischer Hotspot verkörpert auch politisch-historisch betrachtet einen hervorragenden Lernort. Josefov, das jüdische Viertel der Hauptstadt ist dabei ein Kleinod. Das jüdische Museum mit seinen 5 Synagogen und das jüdische Kulturzentrum waren so auch unser Ziel. Bei der Führung durch das Viertel erhielten wir einen guten Einblick in das urbane jüdische Leben in Prag.
Unser Zusammentreffen mit der Prager Jüdin Dr. Michaela Vidlakova im jüdischen Kulturzentrum gab unserer Studienfahrt einen einzigartigen Moment. Frau Dr. Vidlakova wurde als Kind aus Prag mit ihrer Familie nach Theresienstadt deportiert. Von 1942 bis zur Befreiung 1945 weilte sie im Ghetto und hatte das Glück, dass sie mit ihrer Mutter und dem Vater zu den wenigen Überlebenden gehörte. Sie berichtete von der Zeit im Ghetto und auch von dem Leben danach. Zum Abschluss rezitierte sie ein Gedicht einer Freundin über Menschlichkeit. Als Dank sangen wir ihr das Finale der Oper Brundibar vor. Wir wünschen ihr weiterhin Kraft und Gesundheit und danken für die gemeinsame Zeit von Herzen.
Mit einem Stadtbummel ließen wir den Tag ausklingen. Morgen fahren wir zurück nach Peitz. Unser Dank gilt auch unserer Klassenlehrerin Frau Zech, die uns gut auf die Fahrt vorbereitet hat. Danken möchten wir auch den Eltern Frau Hoppe, Frau Ahrens und Herrn Nagel, die uns begleiteten und viel über das Erlebte mit uns sprachen. Anna und Katharina wünschen wir auch zukünftig viele nette Gruppen, danke für eure Hilfe.

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Der Kälte getrotzt

Am Mittwoch brachen wir bei minus 5 Grad Celsius um 9.00 Uhr auf zur Besichtigung der Kleinen Festung. Die Kleine Festung diente seit ihrer Fertigstellung den Herrschenden als Gefängnis. Berühmtester Häftling ist der Attentäter von Sarajewo, der hier seine Haftstrafe antreten musste. Mit Machtübernahme der Faschisten in Böhmen und Mähren wurde sie zum Gefängnis der Prager Gestapo.  So waren es überwiegend politisch Verfolgte, die hier interniert waren. Aber etwa 10 % der Häftlinge waren Juden. Diese Gefangenen wurden besonders unmenschlich behandelt und speziell in einer furchtbaren Zelle eingesperrt. Das alles erfuhren wir im Rahmen einer interessanten Führung. Dabei sahen wir alle Höfe, die Massen- und Einzelzellen und andere Einrichtungen des Gefängnisses.

Zum Abschluss sahen wir im alten Kino vor Ort Auszüge aus dem Propagandafilm der Nazi`s über Theresienstadt. Die filmischen Umschnitte zwischen der Propaganda und dem wahren Leben im Ghetto gingen uns emotional sehr nahe.

Anschließend wanderten wir zum jüdischen Friedhof mit dem Krematorium, besuchten das Kolumbarium und legten am Denkmal für die jüdischen Kinder einen persönlichen Stein zur Erinnerung ab.

Um 12.30 Uhr, nach dreieinhalb Stunden beendeten wir unsere Exkursion. Wir waren alle mächtig durchgefroren und waren froh, dass wir im warmen Raum zu Mittag essen konnten.

Nachmittags arbeiteten wir wieder an unseren Leporellos. Die Tagesreflexion fand diesmal auf dem großen Dachboden der Magdeburger Kaserne statt. Anschließend bereiteten uns Anna und Katharina auf das morgige Zeitzeugengespräch vor. Denn morgen fahren wir nach Prag!

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Informativer Vormittag – arbeitsintensiver Nachmittag

Unser zweiter Studientag begann mit den Besuchen des Ghettomuseums und der Ausstellung in der Magdeburger Kaserne. Dazu bildeten wir wieder zwei Gruppen, so dass eine intensive Kommunikation mit dem Guide und auch innerhalb der Gruppen möglich war. Damit konnten Fragen aus den umfangreichen Leseangeboten schnell und unmittelbar diskutiert bzw. beantwortet werden. Es ist schon sehr beeindruckend, welchen Stellenwert Kultur und Bildung während der Internierungszeit hier im Ghetto hatten.

Nachhaltig wirken dabei die vielen, vielen Zeichnungen und Bilder, welche im Verborgenen entstanden sind und das reale Leben im Ghetto zeigen.

Am Nachmittag fanden wir uns auf dem Dachboden ein und begannen unsere Eindrücke und Erkenntnisse zu verarbeiten. Dabei versuchten wir uns am Dichten, Zeichnen und Schreiben. Als Grundform unserer persönlichen Arbeit wählten wir das Leporello, welches jede und jeder nun individuell gestalten kann.

Bevor wir den Tag mit der Reflexionsrunde, jüdischen Tänzen und Liedern ausklingen ließen, sahen wir uns noch eine Videoaufzeichnung der Kinderoper Brundibar an.

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Beginn der Studienreise der Klasse 6b

Am 28. November 2016 ist unsere 29 – köpfige Gruppe zur Studienreise nach Terezin und Prag mit dem Bus aufgebrochen. Nach gründlicher Vorbereitung in der Schule, dem Lesen des Kinderroman „Die Kinder aus Theresienstadt“ uvm. steht nun eine Woche Spurensuche vor Ort auf dem Plan. Die beiden Freiwilligen Anna und Katharina haben uns heute die Stadt Terezin nahe gebracht. Die zweieinhalbstündige Führung bei winterlichen Temperaturen führte uns an die Orte der Handlung im Roman und machte uns die damalige Zeit lebendig. Gebetsraum, Unterkunftsstätte, Zeremoniensaal sind nur einige prägnante Besichtigungsorte dabei gewesen. Gleichzeitig wurden wir neugierig auf die kommenden Tage. Am Abend reflektierten wir in der Runde den Tag, sangen und tanzten miteinander.

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Arbeiten am Exponat und kleine Exkursionen

Am Donnerstag stand die Arbeit an den Exponaten im Vordergrund. Als Abwechslung und zur Unterbrechung besuchten wir mit Anna und Katharina den jüdischen Friedhof und das Kolumbarium sowie den Ort an dem Fluss Eger, wo die Asche aus zweiundzwanzigtausend Urnen von Verstorbenen in den Fluss geworfen wurde.  Heute ist hier ein Gedenkort als Mahnung und Erinnerung.

Da morgen unsere Reise ihren Abschluss findet war es unser Ziel, unsere persönlichen Dokumentationen fertig zu stellen. Es ist fast allen gelungen. Bedanken möchten wir uns bei Frau Wedler, die uns umfangreich auf die Studienfahrt vorbereitet hat, bei Anne und Katharina, die uns hier in Terezìn geführt haben, bei den Eltern Frau Gohr, Frau Weichert, Frau Hantzsch, Herrn Wagner, Herrn Kandler und Herrn Röder, mit denen wir über alles Gehörte, Gelesene und Erlebte immer sprechen konnten und bei Herrn Nedoma, der die Fahrt organisiert hat.

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Josefov – Das jüdische Viertel von Prag

Heute war es soweit, der Höhepunkt der Studienreise stand auf dem Programm. Nachdem wir mit dem Bus zur Prager Burg gefahren sind und einen Blick über die Stadt an der Moldau geworfen haben, ließen wir uns vom Veitsdom beeindrucken, seinen herrlichen Bleiglasfenstern. Anschließend liefen wir über die berühmte Karlsbrücke in den Stadtteil Josefov. Hier befindet sich das Jüdische Museum zu Prag, bestehend aus mehreren Synagogen und Gedenkorten. Wir besuchten die Pinkas-Synagoge, den alten jüdischen Friedhof, die Klausen-Synagoge, die Altneu-Synagoge und die Spanische Synagoge. Es war interessant zu sehen, wie vielfältig jüdisches Leben funktioniert.

Das Zusammentreffen mit Frau Evelina Merovà war dann ein besonderer Moment. Ein Mensch, der die Grauen des Ghettos Theresienstadt und anderer Lager überlebt hat saß uns gegenüber und erzählte aus seinem Leben. Ohne Groll und Ablehnung. Im Juli 1942 kam sie mit 11 Jahren nach Theresienstadt, im Dezember 1943 folgte der Transport nach Auschwitz-Birkenau. Dort kam sie ins „Familienlager“. Im Juli 1944 erfolgte eine weitere Verlegung nach Stutthof, dann Dörbeck und Guttau, wo sie im Januar 1945 von der Roten Armee befreit wurde. Seit 1995 lebt Frau Merovà wieder in ihrer Geburtsstadt Prag. Die geschilderten Episoden aus der Zeit der Inhaftierung werden wir nicht vergessen.

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Tag voller Informationen

Am Donnerstag ist in Tschechien Feiertag – 17. November – Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie. Aus diesem Grund musste unser Wochenplan geändert werden. Exkursionstag ist jetzt der Mittwoch. Aus diesem Grund wurde am Dienstag neben dem Ghettomuseum und den Ausstellungen in der Magdeburger Kaserne auch die Kleine Festung besucht, das Gefängnis der Prager Gestapo.
Mit dieser Fülle an Informationen und Eindrücken muss man erst einmal umgehen. Geholfen dabei haben die Gespräche mit den Freiwilligen Anna und Katharina, den Eltern, Frau Wedler und Herrn Nedoma. Es ist schon beeindruckend, welchen Stellenwert die Kultur bei den Internierten hatte. Viele Fragen blieben auch offen, wenn man die Rolle der Delegation des Internationalen Roten Kreuzes hinterfragt. Hat die Nazipropaganda so manipulieren können?
Morgen treffen wir in Prag Frau Merova, eine Überlebende aus Theresienstadt.

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Tag der offenen Tür am Dienstag, dem 22.11.2016 von 15:30 Uhr bis 17:30 Uhr

Mit dem Tag der offenen Tür im November jeden Jahres beginnt offiziell die Vorbereitung des folgenden Schuljahres. Neben allen Eltern der aktuellen Schülerinnen und Schüler werden besonders die Eltern der zukünftigen Lernanfänger / innen angesprochen. Die Eltern der zukünftigen Schulkinder erhalten die Gelegenheit, lange vor der formalen Schulanmeldung im Januar 2017 die zuständige Bildungseinrichtung ihrer Kinder kennenzulernen und sich von den Lehrkräften beraten zu lassen. Mit dabei ist auch der Förderverein der Schule, wo bei Kaffee und Kuchen mit interessierten Eltern über das Schulleben neben dem Unterricht geplaudert werden kann. Sie sind herzlich eingeladen.

Unsere Angebote zum „Tag der offenen Tür“
am 22. November 2016

Ankunft in der Stadt voller Geschichte

Nach dreieinhalb Fahrstunden mit dem Bus haben wir unseren Zielort Terezín, das frühere Theresienstadt erreicht. Bei bestem Sonnenschein aber niedrigen Temperaturen nahmen wir das kleine Städtchen in ersten Augenschein. Als erstes bezogen wir unsere Unterkunft und richteten uns in den Zwei- und Dreibettzimmern ein. Beim anschließenden Mittagessen lernten wir auch unsere beiden Betreuerinnen Anna aus Münster und Katharina aus Österreich kennen. Beide brachten uns am Nachmittag in einer zweieinhalbstündigen Stadtführung den Ort nahe. Dabei lernten wir alle Stadtbereiche im historischen Kontext der Ghettozeit kennen. So wurden Bilder aus unserem gelesenen Roman „Die Kinder aus Theresienstadt“ plötzlich gegenständlich. Den Tag ließen wir mit einer ausführlichen Reflexionsrunde unter Leitung von Anna ausklingen. Morgen besuchen wir das Ghettomuseum, die Ausstellungen in der Magdeburger Kaserne und die Kleine Festung.

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Schulprojekt jährt sich zum 15. Mal

Es ist kaum zu glauben. Zum 15. Mal bearbeiten die Mädchen und Jungen des 6. Schuljahres das Projekt „Theresienstadt und ich“. Seit dem Schuljahr 2002/03 ist damit eine einwöchige Studienfahrt in die Tschechische Republik verbunden. Sie bildet den Abschluss an eine Arbeitsphase in der Schule. Hier wird im Deutschunterricht der Kinderroman „Die Kinder aus Theresienstadt“ von Kathy Kacer  gelesen, in Musik die Kinderoper „Brundibar“ von Hans Krasa kennengelernt, mit der jüdischen Religion in Lebenskunde-Ethik-Religionskunde vertraut gemacht und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in der Zeit des Faschismus angesprochen.

In Terezin, dem früheren Theresienstadt und im jüdischen Viertel in Prag gehen die Mädchen und Jungen dann auf Spurensuche an authentischen Lernorten. Höhepunkt ist ein Zusammentreffen und Gespräch mit einer Zeitzeugin, welche die Zeit im Ghetto Theresienstadt überlebt hat.

Inzwischen haben  882 Teilnehmer/innen das Projekt bearbeitet. Im November und Dezember 2016 gehen die 48 Mädchen und Jungen der 6. Klassen in diesem Schuljahr auf die Exkursion in die Geschichte. Finanziell unterstützt wird der Förderverein der Mosaik-Grundschule Peitz e.V. als Maßnahmeträger in diesem Schuljahr vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Der Zuwendungsbescheid ist am 8.11.2016 in Peitz eingegangen. Dafür bedanken sich der Förderverein und die Schule ganz herzlich bei allen Verantwortlichen.

 

Frank Nedoma